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Nachhaltige Andacht für Maria

FESTSPIELE / OUVERTURE SPIRITUELLE / PALESTRINA

20/07/15 Gleich am Eröffnungswochenende der „Ouverture spirituelle“ konnte man drei zentrale Werke der christlichen Tradition erleben. Haydns „Schöpfung“, Bachs h-Moll-Messe und vor allem Palestrinas „Missa de Beata Virgine“.

Von Oliver Schneider

E. T. A. Hoffmann und Hans Pfitzner haben die Legende des „Retters der Kirchenmusik“ Giovanni Pierluigi da Palestrina angeheizt. Einen wahren Kern hat die Geschichte insoweit, als am Konzil von Trient 1562 zwei Forderungen Zustimmung fanden: einerseits sei die Textverständlichkeit in der Kirchenmusik zu wahren, andrerseits sei aber sehr wohl die polyphone Musik der kirchlichen Erbauung förderlich. Palestrinas „Missa Papae Marcelli“, ein zentrales Werk in seinem Schaffen, entsprach genau quasi der Schnittmenge diesen Forderungen.

Diego Fasolis und der Coro della Radiotelevisione Svizzera brachten am Sonntagmorgen in der angenehm temperierten Kollegienkirche Palestrinas „Missa de Beata Virgine“ zur Aufführung, die ebenso wie die Papstmesse dem zweiten Buch der Messvertonungen entstammt. Unterbrochen, wie im liturgischen Ablauf, durch Motetten mit textlichem Bezug zur Jungfrau Maria und durch Ricercari, die eigentlich Motetten ohne Worte sind (ausgezeichnet Gianluca Capuano an der Orgel). Die rund 80 dichten Minuten wurden zu einer Art Andachtsfeier, der das Publikum konzentriert lauschte. In seiner ökonomischen Schlichtheit und Ausgewogenheit faszinierte vor allem das Gloria, das – wie auch die anderen Teil der Messe und die übrigen Werke – engelhaft rein gesungen wurde.

Beinahe halbszenisch gestalteten die Tessiner Gäste die Motetten „O Gloriosa Domina“ und das „Salve Regina“, bei denen der Chor räumlich verteilt auf den Emporen des Querschiffs beziehungsweise im Chorraum Aufstellung nahm. Im „Salve Regina“ zeigte sich die vier Chorsolisten auf der Kanzel als vokale Glanzlichter des Schweizer Top-Ensembles, das in diesem Sommer noch in Bellinis „Norma“ und in Glucks „Iphigénie en Tauride“ zu erleben sein wird.

Haydns „Schöpfung“ am Tag zuvor im Großen Festspielhaus mag kalendermäßig das Eröffnungskonzert der „Ouverture spirituelle“ gewesen sein, in Erinnerung bleiben wird der Palestrina-Vormittag. Es war ein außergewöhnlicher Morgen in einem langen Konzertsommer, bei dessen Programmierung Konzertchef Florian Wiegand endlich ohne Pereira im Hintergrund beweisen darf, was in ihm steckt.

Einen Wermutstropfen gibt es leider gleich zu Beginn des Sommers: Ein Almanach wurde heuer aus Kostengründen nicht produziert. Das ist bedauerlich, bot dieser doch übergreifende Reflexionen zum Programm und Hintergrundinformationen auch für diejenigen, die nicht für jede Veranstaltung ein eigenes Programmheft erstehen wollten. Mit geschickterem Marketing als im letzten Jahr wäre auch der Almanach zumindest kostendeckend zu produzieren.

Bild: Salzburger Festspiele / Freda Fiala (1)

 

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