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Wegkommen vom fossilen Wirtschaftsdenken

IM PORTRÄT / ELMAR ALTVATER

10/05/13 Wenn er von „postfossiler Gesellschaft“ spricht, meint er ein Leben ohne Raubbau an Erdöl. Wie bereits kurz berichtet wir der Wissenschafter und Autor Univ.-Prof. Elmar Altvater am kommenden Montag (13.5.) mit dem Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung 2013 ausgezeichnet.

013Elmar Altvater, der knapp vier Jahrzehnte am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin gelehrt hat, gilt als Mitbegründer einer ökologischen Ökonomie sowie als früher Kritiker einer deregulierten Globalisierung der Güter- und Finanzmärkte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und seit vielen Jahren über seine Lehrtätigkeit hinaus in zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine solidarische Ökonomie engagiert. "Elmar Altvater ist ein führender Wissenschafter des deutschsprachigen Raumes und analysierte als einer der ersten den Zusammenhang zwischen Wirtschaften und Ökologie. Er erkannte früh Zukunftsentwicklungen und spricht von der postfossilen Gesellschaft, die unser Wirtschaften radikal verändern werde", heißt es in der Jury-Begründung des Kuratoriums der Robert-Jungk-Stiftung. Früh beschrieben habe Altvater auch die Probleme der Globalisierung der Finanzströme, die mit der Finanzkrise seit 2007 offensichtlich geworden sind.

Elmar Altvater zählt nicht zuletzt zu jenen Autoren, deren Stimme weit über den universitären Bereich hinaus gehört wird. Er arbeitet beratend in verschiedenen Gremien mit, referiert bei Tagungen von Naturschutzgruppen ebenso wie von Gewerkschaften oder Bildungshäusern. Vielfach wird er etwa in den Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats "Globale Umweltveränderungen" des Deutschen Bundestags zitiert.

Altvater hat mehrfach auch zur aktuellen Finanz- und Schuldenkrise in Europa Stellung genommen. Er sieht im Euro ein politisches Projekt, das nicht leichtfertig über Bord geworfen werden dürfe. Neben der Schuldenbremse brauchten wir aber auch eine Vermögensbremse, um die Krise der öffentlichen Haushalte zu überwinden. Altvater schlägt niedrige Zinsen, die unter der Wachstumsrate liegen müssen, sowie eine stärkere Besteuerung der Vermögen vor, um die unproduktive "Spekulationskasse" zu verringern.

Elmar Altvater wurde 1938 in Kamen bei Dortmund geboren. Er studierte an der Ludwig Maximilian Universität in München. Von 1968 bis 1970 unterrichtete Elmar Altvater an der Universität Erlangen-Nürnberg und wechselte danach an das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, wo er 1971 eine Professur bekam. 1999 bis 2002 war er Mitglied der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten des Deutschen Bundestages. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2004 blieb Altvater am Institut aktiv. Zentrale Publikationen Altvaters sind "Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft" (1996); "Konkurrenz für das Empire – Die Zukunft der Europäischen Union in der globalisierten Welt" (2007) und "Der große Krach: oder die Jahrhundertkrise von Wirtschaft und Finanzen, von Politik und Natur" (2010).

Der Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung wird auf Vorschlag der Robert-Jungk-Stiftung – Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen von der Salzburger Landesregierung an eine Persönlichkeit vergeben, "die sich in herausragender Weise um zukunftsweisende Ideen verdient gemacht hat". Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert und wird in der Regel alle drei Jahre vergeben. Die bisherigen Preisträger waren Robert Jungk (1993), Dorothee Sölle (1996), Jakob von Uexküll (1999), Luise Gubitzer (2002), Franz-Josef Radermacher (2005), Jean Ziegler (2008) und Marianne Gronemeyer (2011). (Landeskorrespondenz)

In seinem Festvortrag anlässlich der Preisverleihung am 13. Mai um 19.30 Uhr im ORF-Publikumsstudio wird Elmar Altvater über "Optionen für ein anderes Wirtschaften" sprechen. Peter Stephan Jungk wird beim Festakt aus dem posthum erschienenen "Sonnenbuch" seines Vaters lesen.
Zum 100. Geburtstag von Robert Jungk (am 11. Mai) erscheint eine Sonderbriefmarke.
Mehr zum Robert-Jungk-Jahr ist unter www.robertjungk100.org zu finden, zu den Salzburger Zukunftsdialogen ist ein Online-Bereich auf der Landeswebsite unter www.salzburg.gv.at/szd eingerichtet.
Bild: Landesmedienzentrum

 

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