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Dosis gegen die tägliche Selbstbeschimpfung

GOLDEGGER DIALOGE

27/06/11 Nichts verbindet Menschen mehr als eine große oder kleine gemeinsame Sorge oder eben Freude. Beides war in der Goldegger Kirche zu spüren: „Wir werfen einen letzten kritischen Blick aus der Sakristei“, wandte sich Dechant Alois Dürlinger an die Gottesdienstbesucher – nein, nicht auf die kirchliche Hierarchie, sondern aufs Wetter.

Von Christina Repolust

altFronleichnamprozession und Goldegger Dialoge gehören ja seit 30 Jahren zusammen. „Wofür und wovon wir leben“ hat als Jubiläumsthema alle Erwartungen übertroffen. „Ausgebucht“ steht unter der Mehrzahl der Arbeitsgruppen, die nach dem Gelingen des Lebens, nach Möglichkeiten der Selbstwertschätzung und der Verankerung der Kreativität im Alltag fragen. Fragen stellen wollten die „Gründungsväter“ damals auch, Fritz Urban vom ORF wurde von Mitinitiator Alfred Winter, Landesbeauftragter für kulturelle Sonderprojekte, ebenso ins Boot geholt wie Zeitungsjournalisten: „Es war eigentlich mein damaliger Hausarzt, der mir klar gemacht hat, wie groß Leidensdruck und Veränderungsbedarf im Bereich Gesundheit und Prävention sind.“

Schul- und Alternativmedizin waren vor drei Jahrzehnten einander nicht gerade nahe, das Generalthema der Dialoge „Gesundheit ist lernbar“ wurde schließlich von allen Beteiligten gut geheißen, der Kulturverein Schloss Goldegg gegründet. Alfred Winter: „Cyriak Schwaighofer war dabei eine Integrationsfigur; er ist einer, der gegen den Strom schwimmt, ohne sich dabei als Einzelkämpfer zu profilieren.“ Die beiden Goldegger Altbürgermeister erinnern sich an den Beginn: „Klar gab es Skeptiker, aber die gibt es doch immer.“ Bestätigend nickt dazu auch Hans Spatzenegger: „Uns ging und geht es um das gleichberechtige Nebeneinander von Körper, Seele und Geist. Wir bieten hier Hilfe zur Selbsthilfe an.“ LH Gabi Burgstaller eröffnete die 30. Goldegger Dialoge mit Dank an die „Gründungsväter“, mit Neugierde und Vorfreude auf Gerald Hüther, den sie gerne öfter in Salzburg wissen möchte. „Ich komme gerne wieder: Aber nur, wenn es Ihnen hier ernst und wahrhaftig um Veränderungen geht“, lächelte der Angefragte leise dazu.

altDer Eröffnungsredner der 30. Goldegger Dialoge, der Neurobiologe Gerald Hüther, stellte den Gemeinsinn vor die Konkurrenz: „Es gibt kein Konkurrenz- oder Wettbewerbs-Gen. Es gibt die Sehnsucht des Einzelnen nach Verbundenheit und Autonomie. In diesem Spannungsfeld leben wir: Wie viel Institutionalisierung ist nötig, wie viel Freiheit möglich – vielleicht auch ein bisschen mehr, als wir uns das so vorstellen.“

Am Beispiel der Förderung der Menschen mit Trisomie21 – Down-Syndrom – zeigte der Experte die Bedeutung von Förderung: „Vor 50 Jahren noch galten diese Menschen als Schwachsinnige und wurden genauso auch behandelt. Jetzt haben einige gerade ihr Abitur gemacht. Diese Veränderung verdanken wir den hervorragenden Sonderschulpädagogen, die hier erkannt haben, wie viel möglich ist. Die haben die größte pädagogische Veränderung der vergangenen 50 Jahre eingeleitet.“

Neben den Hauptvorträgen und den überlaufenen Arbeitskreisen fand sich ein stillerer Arbeitskreis: Wer hilft den HerlferInnen – Kraft aus Zuwendung schöpfen. Dessen Leiter, Stein Husebo, ist Leiter des ersten norwegischen Teams für Schmerztherapie und Palliativmedizin und darüber hinaus noch viel mehr. „Wie gestalten Sie Ihr Selbst-Mobbing und welche Strategien könnten Sie gegen Ihre tägliche Selbstbeschimpfung erarbeiten?“ Eine klare Frage an die kleine Teilnehmer-Runde im Rahmen dieser Dialoge. Gesundheit ist wieder um ein weiteres Kapitel gelernt, Hilfe zur Selbsthilfe gefunden worden - die Goldegger Dialoge schwimmen weiter gegen den Strom.

 

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