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Viel Feinsinn im Detail

REST DER WELT / SCHWARZENBERG / SCHUBERTIADE

18/06/13 Zwischen Ende April und Anfang Oktober geben einander bei der Schubertiade führende Pianisten, Kammermusiker und Liedsänger die Türklinke in die Hand, teils in Hohenems, teils in Schwarzenberg.

Von Wolfgang Stern

066Auftakt im wunderschönen aus Holz gebauten Angelika-Kauffmann-Saal von Schwarzenberg: Christoph Prégardiens Balladenabend lag zwischen einer Pariser Winterreise und seiner Jurorentätigkeit bei einem Wettbewerb in Cardiff. Schon die Auswahl zu seinem grandiosen Abend verriet, dass er sich seine Latte sehr hoch richtete. Die Mischung zwischen romantischen und zeitgenössischen Komponisten war es, die diesen Abend belebte. Auf Schubert folgte Lachner, Liszt oder Wolf, Loewe, Killmayer oder Schumann waren ebenso präsent. Es ist schon beeindruckend, wie Christoph Prégradien, der am 28. August, ebenfalls in Schwarzenberg, mit seinem Sohn Julian einen weiteren Liederabend geben wird, an die Balladen herangeht, sich vom virtuos und partnerschaftlich agierenden Michael Gees am Steinway führen lässt und ein akustisches Ergebnis erzielt, von dem viele Sängerkollegen nur träumen können. Schuberts „Bürgschaft“ lebt von der Spannung, die beide erzielen, Wolfs „Feuerreiter“ geht einfach unter die Haut, aber auch des Pianisten Vertonung von Goethes „Zauberlehrling“ hat einen berechtigten Platz in dem an Vielfalt nicht mangelnden Abend. Franz Lachners (1803 – 1890) „Der wunde Ritter“ oder „Die Meerfrau“ (beide nach Heine) sind weitere großartige Beispiele des romantischen Liedes. Prégardien und Gees sind übrigens seit zwei Dezennien jedes Jahr bei der Schubertiade dabei.

065Nach diesem Balladenabend dann ein reiner Schubert-Liederabend mit Werner Güra. Abermals tenoraler Glanz vom Feinsten. Ob „Heidenröslein“, „Der Wanderer“, “Wiegenlied“ oder „Willkommen und Abschied“, der gebürtige Münchner besticht mit seiner wunderbaren, hellen Stimme, lotet die dynamischen Möglichkeiten bestens aus und führt in die Wunderwelt Schubert'scher Musik. Christoph Berner, langjähriger pianistischer Partner, ist ein ebenso kongenialer Begleiter wie sein (auch komponierender) Kollege Michael Gees. Güra besticht durch Wortdeutlichkeit und geradezu spielerische Leichtigkeit. Seine Farbpalette und sein samtiger Schmelz sind das Besondere an der Stimme dieses begnadeten Sängers. Die Harmonie zwischen beiden Akteuren war zu spüren.

Zwischen diesen Abenden gastierte in Schwarzenberg das junge, von polnischen Musikern gebildete Apollon Musagète Quartett. Es wurde 2006 in Wien gegründet und hat bereits 2008 im internationalen Wettbewerb der ARD einen Ersten und drei Sonderpreise erspielt. 067Tatsächlich „apollinisch“, unbeschwert und frisch, manchmal sogar etwas frech (aber im positiven Sinne), geht man an Quartette wie das erste von Tschaikowsky oder an Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ heran, glänzt sowohl durch Homogenität und feinstes Piano, als auch durch perfektes Spiel in den schnellen Sätzen. Eine wahre Genugtuung, diesen vier jungen Herren zuhören zu können. Günther Pichler vom Alban Berg Quartett hat über dieses Ensemble gesagt: „Unter den Quartetten der jungen Generation, die ich kenne, halte ich das Apollon Musagète Quartett für das beste. Ich sage dem Quartett eine große Karriere voraus.“ Die Matinee bestätigte diese Aussage.

Dieser Block der Schubertiade in Schwarzenberg endet am 23. Juni, der nächste dauert vom 27. August bis zum 8. Septermber 2013. Wer sich für das Programm 2014 interessiert. - www.schubertiade.at
Bilder: Schubertiade

 

 

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