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Diesseits des großen Flusses, jenseits des großen Teichs

KULTURTAGE / MUSICAL-GALA

21/10/13 Da haben sie sich schon mächtig ins Zeug gelegt, Elisabeth Fuchs und ihre Musikerinnen und Musiker der Philharmonie Salzburg. Eigentlich hätte es da den Stargast Uwe Kröger gar nicht gebraucht.

Von Reinhard Kriechbaum

085Stimmt natürlich nicht: Ein Zugpferd muss sein, schließlich muss man das Große Festspielhaus ja einigermaßen voll kriegen, und das ist gelungen. Uwe Kröger ist, jenseits des großen Flusses, im Salzburger Landestheater, als Baron von Trapp in „The Sound of Music“ und jetzt als ältlicher Transvestit Zaza/Albin in „La Cage aux Folles“ seit Jahren Salzburg-Dauergast. Da liegt es nahe, an der Anwesenheit und der Prominenz auch für die Kulturtage zu partizipieren. Eine Musical-Gala passt auch bestens ins musikalische Portfolio der Philharmonie Salzburg.

Wir schwärmen in der Reihenfolge nach Überzeugungskraft: Da muss ganz vorne eben die Philharmonie Salzburg genannt werden, die so recht eingefuchst ist in das nur dem Anschein nach „Leichte“, wie es die Genres Film und Musical verlangen. Das Orchester war an dem sehr langen Abend nicht bloß Stichwortbringer für die Solisten, sondern hat sich in Medleys mit nicht wenig Brillanz ausgelebt: Das ging von den Oldies „West Side Story“, „Die Schöne und das Biest“, „Chicago“ und „Les Misèrables“ durchs üppige Angebot aus der Edelfeder von Andrew Lloyd Webber („Das Phantom der Oper“, „Jesus Christ Superstar“, „Evita“) bis zu „Grease“ (Warren Casey), „Elisabeth“ (Sylvester Levay) und eben zu „La Cage aux Folles“ (Jerry Herman). Von all dem gab es eben nicht nur Gesangsknüller, sondern ausgiebige symphonische Querschnitte. Elisabeth Fuchs weiß ganz genau, wo sie die Musik stilistisch haben will. Das hatte echt Format.

086Beachtliche Eigenart auch das, was die zwischen Salzburg und New York pendelnde Jasmin Rituper als tanzende Evita hingelegt hat. Sie vertritt einen elementar athletischen Tanz-Stil. Alle Achtung, aus welchen Boden-Positionen sich dieser kleine Muskelprotz wieder hoch kriegt, als ob das die selbstverständlichste Sache wäre. Aber gerade in diesen „Evita“-Medley hat die hochmusikalische Tänzerin auch Erfindungsreichtum und starken Ausdruck eingebracht. Im „Mambo“ aus Bernsteins „West Side Story“ assistierte ihr dann ein Kollege mit dem malerischen Künstlernamen Valentin Knuffelbunt. Der ist in Sachen Break Danse toll drauf.

087Die Sopranistin Gerda Lischka hat die lyrischeren Gesangsteile bekommen: „I dont't know how to love him“ aus“Jesus Christ Superstar“ und – sehr entschieden in der Botschaft - „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“.

Uwe Kröger war alles andere als geizig und hat sich mit merklicher Freude eingelassen auf diesen Musical-Rundumschlag. Die „Musik der Nacht“ hat anfangs freilich schon arg in den Ohren gekratzt – aber man hatte ja einen ganzen langen Abend Zeit, sich an die völlig unbewältigte elektronische Verstärkung und den einen oder anderen Manierismus des Sängers zu gewöhnen. Beides hat sich gelegentlich recht aufgeschaukelt. Irgendwie genügt es nicht, Lautsprecherboxen aufzustellen. Ein reaktionsschneller Operateur an den Schiebereglern hätte viel zum Besseren gedreht.

Trotzdem viel Begeisterung des jungen Publikums auch für Uwe Kröger, der dann mit „Der letzte Tanz“ (aus „Elisabeth“) noch einen chansonesken Ton ins Spiel brachte, mit „Ich bin was ich bin“ vielleicht einigen im Publikum Lust auf einen Besuch im Landestheater machte und zuletzt – als Zugabe – noch einen Ausflug zu James Bond unternahm: „Skyfall“, wer hätte das erwartet?

Und das Publikum? Jung, aufgeweckt und zahlreich: So haben die Kulturtage offenbar Zukunft.

Bilder: Salzburger Kulturvereinigung / Sabine Hauswirth (1); iamshapeshifting.com (1); www.gerda-lischka.at/beha-pictures (1)

 

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