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Analyse und Herzblut

UNIVERSITÄT MOZARTEUM / KAMMERKONZERT

24/03/14 Schubert-Festtage im Solitär. Nach Herbert Schuchs zweitem Klavierabend im Schubert-Janá?ek-Zyklus gab es nun am Sonntag (23.3.) Violinsonaten mit Ana Chumachenko und Siegfried Mauser. Und wieder stellten sich Spannung, Erhellung und Berührung ein.

Von Gottfried Franz Kasparek

526Siegfried Mauser, zukünftiger Rektor der Universität Mozarteum, ist ein Pianist von Rang und bei weitem nicht nur ein Spezialist für spezifisch deutsche Neue Musik, als der er mitunter gehandelt wird. Natürlich ist dies sein Spezialgebiet, wie man anhand exemplarischer Hartmann-Aufnahmen jederzeit überprüfen kann. Dies nur, um als Beispiel einen Komponisten zu nennen, der in Salzburg ein unverdientes Schattendasein führt. Doch Mauser, gerade mit einer Gesamtaufnahme der Mozart-Sonaten beschäftigt, ist auch im klassisch-romantischen Repertoire ein Musiker, der klare Analyse mit musikantischem Herzblut schlüssig verbinden kann. Noch dazu ist er ein vorbildhafter Musikwissenschaftler, der nicht nur Grundlegendes zur Hermeneutik veröffentlicht hat, sondern über Musik, die er liebt, begeistert und begeisternd reden kann – und zwar so, dass es nicht nur Zunftkollegen verstehen. Die einfühlsamen Worte, die er diesmal zu Schubert fand, bleiben haften.

Ana Chumachenko, Deutsch-Argentinierin mit italienischem Geburtsort und russischer Herkunft, ist eine musikalische Weltbürgerin, eine große alte Dame des Violinspiels mit jugendlich gebliebenem Impetus und obendrein eine fabelhafte Lehrerin. Mit Mauser bildet sie ein mehr als bloß formidables Duo. Nicht oberflächliche Virtuosität steht in den Schubert-Lesarten der beiden im Vordergrund, sondern Tiefe des Ausdrucks und Betonung der Kontraste. Vor der Pause gab es zwei der einst von Anton Diabelli aus Geschäftsgründen zu Sonatinen degradierten Violinsonaten zu hören, jene in a-Moll D 525385 und jene in g-Moll D 408 aus dem Frühjahr 1816. Dies sind gültige klassische Klaviersonaten, noch unbelastet von der Tragik späterer Jahre, aber vor allem in den langsamen Sätzen schon unverwechselbar Schubert in ihrer Innigkeit und melodischen Qualität. Ana Chumachenko und Siegfried Mauser spielten die Stücke bedachtsam, durchaus schön und klangvoll.

Auch die C-Dur-Fantasie D 934 ist eigentlich eine große, pausenlose Sonate, aber Schubert sprengt hier nicht nur die Form von innen, sondern er setzt, knapp ein Jahr vor seinem Tod, visionäre Wegmarken in die Zukunft der Musik. Vor Wagners „Rheingold“-Beginn habe es keinen so aus mystischem Dunkel kommenden Anfang eines Musikstücks gegeben, erklärte Mauser. Geigerin und Pianist betonten jedoch nicht nur die immer noch und immer wieder „modernen“ Strukturen dieses Ausnahmewerks, sondern brachten auch die Seelenlandschaften dieser Musik zum Ausdruck, schürften tief und gehaltvoll. Der trotzige Finaljubel der Fantasie bewirkte natürlich großen Jubel im voll besetzten Saal, der mit einer wundersamen Zugabe aus der A-Dur-Sonate D 574 bedankt wurde. Da war Schubert, anno 1817, schon ganz er selbst.

Unter den herzlich Gratulierenden nachher war der so verdienstvolle Noch-Rektor Reinhart von Gutzeit. Ihm ist vieles zu danken, auf seinen Nachfolger darf man sich freuen.

Bilder: Universität Mozarteum (2)

 

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