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Höhenflug zum Abschied

MOZARTEUM / SINFONIEORCHESTER DER UNIVERSITÄT

24/10/11 Dennis Russel Davies, seit 2002 Chefdirigent des Bruckner Orchesters und seit einem Jahr Chef des Sinfonieorchesters Basel, leitete elf erfolgreiche Jahre lang das Sinfonieorchester der Universität Mozarteum - von dem er sich am Freitag (21.10.) mit einer fulminanten „Sechsten“ Mahler leider verabschiedete.

Von Horst Reischenböck

alt„Sterben werd’ ich, um zu leben“: Gustav Mahlers a-Moll-Sinfonie ist wohl die einzige Sinfonie der Musikgeschichte, die den vom Komponisten selbst nicht unbedingt goutierten Titel „Tragische“ zu Recht trägt. Unter der Leitung von Dennis Russel Davies erlebte die „Tragische“ eine in jeder noch so kleinsten Facette zwingende, beeindruckende Darstellung des verschlüsselten persönlichen „Programms“. Gustav Mahler selbst redete nie darüber, aber seine Witwe lieferte Erklärungen für manches  Detail.

Gemeint sei etwa nicht ein menschliches Ringen, vom Dunkel zum Licht - „per aspera ad astra“-  sondern die erahnte Vorwegnahme eigenen Scheiterns. Ein Kampf in den hinein das Alma-Motiv immer wieder lyrisch aufblüht. Teuflisch das Scherzo mit seinen kontrastierenden „altväterischen“ Trios. Nur das Es-Dur-Andante bietet dem kurz etwas Licht ehe im Finale (dem längsten Instrumentalsatz Mahlers) das Fatum erbarmungslos und endgültig zuschlägt. Nach dem choralen Abgesang von Posaunen und Tuba fällt darin die Türe unwiderruflich zu.

So kongenial gedeutet, ließ dieses „Sechste“ in atemloser, nachdenklicher Stille verharren, ehe sich dann lang anhaltend jubelnde Zustimmung entlud. Ein nicht gering zu schätzendem Unterfangen des Sinfonieorchesters der Universität Mozarteum und seines scheidenden Leiters, das phänomenal gelang!

War’s doch nicht zuletzt auch ein weiterer Beweis für das hohe Niveau der Instrumentalausbildung am Mozarteum. Das Semester ist zudem noch jung, und noch dazu war auf dem Podium die bis dato umfangreichste Anzahl an Ausführenden versammelt: nicht weniger als ihrer 113 Studierende, darunter allein 61 Streicher und vier Harfen.

Das Große Studio als Konzertsaal spiegelte das Klangbild transparent und half mit, das lineare Stimmengeflecht hörbar werden zu lassen. Das ist das Verdienst von Dennis Russel Davies engagierter, präziser Stabführung, die jedes Detail ins Rampenlicht rückte.

Beispielsweise innerhalb der Holzbläser die Klarinetten oder die Oboe, die Hörnerriege und die gestopften Trompeten, nicht zu vergessen die umfangreiche Schlagwerk-Riege mit ihren Glockenklängen bis hin zu den erschütternden Hammerschlägen.

Bild: Universität Mozarteum/Christian Schneider

 

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