KOMMENTAR

Von Reinhard Kriechbaum

16/03/26 Der Postmann hat also auch heute Montag (16.3.) nicht bei Landeshauptfrau Karoline Edtstadler geklingelt. Schon gar nicht zwei Mal. Er hätte theoretisch Post von Intendant Markus Hinterhäuser bringen können. Ein nettes Brieflein, in dem dieser erklärt, doch noch ein oder zwei Jahre lang den Festspielladen zu schupfen.

Es war nicht wirklich zu erwarten, dass Markus Hinterhäuser freundliche Nasenlöcher macht und einsteigt auf das „Angebot“ des Festspielkuratoriums, dessen Wortlaut im Detail nicht publik gemacht wurde. Theoretisch bis Freitag 13. März – was für ein Datum – hätte er sich gegenüber Edtstadler, der derzeitigen Vorsitzenden des Festspielkuratoriums, erklären sollen. Postweg eingerechnet also bis heute Montag.

Die Kuratoriumssitzung, die endgültig Hinterhäusers Schicksal besiegeln wird, ist am kommenden Freitag (20.3.). Bis dahin wird es zur Causa prima der Festspiele wohl von keiner Seite irgendwelche Statements geben, seien es Bestätigungen oder Dementi. Da nach den Querelen der letzten anderthalb Monate die Gesprächsbasis so offenkundig zerrüttet ist, wäre ein Verbleib Hinterhäusers über die diesjährige Festspielsaison hinaus gar nicht anzustreben. Wenn Intendant und Kuratorium nur mehr auf dem Briefweg (und offenbar nicht einmal mehr so) miteinander kommunizieren, ist ein Schlusspunkt nur vernünftig. Weiterwursteln, bis das politische Gremium den Job ausgeschrieben, Bewerbungen gesichtet und die Nachfolge geregelt hat – das wäre für Markus Hinterhäuser ein unzumutbarer Gesichtsverlust.

All das ist unabhängig davon, wen nun größere Schuld trifft an den unschönen Entwicklungen. Die Optik ist schräg, Sympathie-Punkte hat sich niemand von den Beteiligten erworben. Erinnern darf man aber daran, dass Hinterhäuser mit Ende dieses Sommers dann insgesamt zwölf Intendanten-Jahre hinter sich hat. Rechnet man die Zeitfluß-Ära während der Mortier-Jahre und seine Zeit als Konzertchef der Festspiele hinzu, dann hat Hinterhäuser sich innerhalb von mehr als einem Vierteljahrhundert so nachhaltig eingeschrieben in die Festspiel-Annalen wie keiner seiner Vorgänger seit dem Halbgott Karajan. Dass er sich zuletzt auch ein wenig halbgöttlich gefühlt und auch so aufgeführt hat – wen kratzt's wirklich?

Der Festspiel-Dampfer wird nicht ins Schlingern kommen. Hinterhäuser selbst ist einst, nach dem abrupten Ende der Intendanz von Jürgen Flimm, von heute auf morgen für zwei Jahre nachgerückt. Er war damals gerade Konzertchef und wurde Intendant. Eine ähnliche Lösung wird man wohl auch jetzt finden. Das Programm für 2027 und auch schon jenes für 2028 muss, zumindest für die Oper, bereits ziemlich konkret festgeschrieben sein. Da ist nur noch ein tüchtiger Executive producer gefragt, und ein solcher wird sich finden. Vielleicht sogar in den Reihen der Festspiele.

Zehn Jahre war Hinterhäuser nun en bloc Intendant. Das gilt im Kulturbetrieb als Durchschnittszeit für eine solche Führungstätigkeit. Längeres Verweilen in Chefpositionen ist oft mit unschönen Abgängen verbunden. Wäre das vor zwei Jahren zuständige Festspielkuratorium klug gewesen, hätte es Hinterhäusers Vertrag nicht bis 2031 verlängert. Ganz ohne Bauchweh geschah dies wohl doch nicht, warum sonst wurde die ominöse Wohlverhaltensklausel aufgenommen. Aber das Kuratorium (damals unter Wilfried Haslauer) hat sich 2024 für den bequemsten Weg entschieden, sich lästige strategische Überlegungen erspart und ziemlich denkfaul den Status quo auf gut Glück festgeschrieben. Das rächt sich jetzt.

Der so verdiente Markus Hinterhäuser hätte sich einen würdevolleren Abgang verdient.

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